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Kinder im Krieg

In mehr als 20 Staaten der Welt gibt es derzeit bewaffnete Konflikte. Das in den Genfer Konventionen niedergelegte Prinzip der Unterscheidung zwischen Soldaten und Zivilisten wird in den heutigen Kriegen weitgehend missachtet. Während Anfang des 20.Jahrhunderts noch 95 Prozent der Kriegsopfer Soldaten waren, sind inzwischen bei Kriegshandlungen rund 90 Prozent der Opfer Zivilisten. Die meisten von ihnen werden durch sogenannte Kleinwaffen getötet, die auch von Deutschland in Konfliktgebiete exportiert werden.

Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Etwa 250.000 Kinder unter 18 Jahren nehmen als Kindersoldaten an Kampfhandlungen teil. Auch die Bundeswehr wirbt bei Minderjährigen um Nachwuchs und rekrutiert jedes Jahr bis zu 2.000 17-jährige Jungen und Mädchen.

Etwa die Hälfte aller Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt sind Kinder, weltweit mehr als 30 Millionen. Viele davon schaffen es nicht, über Grenzen in ein sicheres Nachbarland zu fliehen. Sie sind Binnenvertriebene, also Flüchtlinge im eigenen Land. Auch in Deutschland leben viele Flüchtlingskinder.

terre des hommes unterstützt in zahlreichen Projekten die Opfer von Gewalt und Vertreibung und engagiert sich für deren Rechte. terre des hommes setzt sich gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ein und für die Einhaltung des internationalen 18-Jahres-Standards bei der Rekrutierung von Soldaten, auch in Deutschland.


Daten und Fakten

Über 30 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind weltweit auf der Flucht. Sie leben als Flüchtling außerhalb ihrer Heimat oder als Binnenvertriebene im eigenen Land. Die Ursachen, weshalb Minderjährige vertrieben werden, sind vielfältig.

Gründe der Flucht

Kriege und bewaffnete Konflikte sind nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern ein häufiger Grund für Flucht.
Kinder werden wie erwachsene Flüchtlinge aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Religion, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder zwecks Rekrutierung als Soldat oder Zwangsarbeiter verfolgt.

Eine weitere Fluchtursache ist bei manchen Minderjährigen die Familie. Drohende Zwangsheirat oder Zwangsbeschneidung führen in vielen Fällen dazu, dass Kinder ihr Zuhause verlassen.

Auch der Zwang zum Dienst an der Waffe ist für viele Minderjährige ein Grund zur Flucht. Noch immer werden mehr als 250.000 Minderjährige weltweit als Kindersoldaten missbraucht. Der Ausstieg ist oft nicht möglich. Vielen bleibt nur noch die Flucht.

Ob diesen Kindern auf ihrer Flucht internationale Hilfe zukommt, hängt oftmals davon ab, ob sie als Flüchtlinge oder Binnenvertriebenegelten.

Flüchtling oder Binnenvertriebener

Binnenvertriebene sind im eigenen Land auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Sie werden nicht als Flüchtlinge anerkannt, da laut Genfer Flüchtlingskonvention nur als Flüchtling gilt, wer eine internationale Grenze übertritt.

Um die Flüchtlinge kümmert sich das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR). Für Binnenvertriebene gibt es keine entsprechende Organisation. Sie bekommen oft weder eine Grundversorgung noch Sicherheit vor erneuter Verfolgung.

Weitere Informationen zu der Situation von Binnenvertriebenen, Flüchtlingen oder ehemaligen Kindersoldaten finden Sie unter den jeweiligen Themenschwerpunkten.

Zahlen

  • In Syrien werden Tausende von Kindern als Soldaten missbraucht, die meisten vom Islamischen Staat, aber auch von der Freien Syrischen Armee, kurdischen und Pro-Assad-Gruppen.
  • 250.000 Kindern und Jugendlichen werden weltweit in mindestens 20 Ländern als Soldaten rekrutiert, die meisten davon im Nahen Osten, Afrika und Asien.
  • In Kolumbien wurden im Jahr 2017 in Folge des Ende 2016 unterzeichneten Friedensvertrages 7000 Kämpfer der FARC entwaffnet und demobilisiert, darunter etwa 2000 Minderjährige. Davon kehrten 300 in ihre Familien zurück. Bei anderen bewaffneten Guerilla-Gruppen wie der ELN oder der EPL und bei paramilitärischen Gruppen und kriminellen Banden gibt es weiter in großem Maße minderjährige Soldaten.
  • Mehr als 8000 Kinder, darunter viele Mädchen, wurden in Nigeria seit 2009 von Boko Haram rekrutiert und zum Teil gezwungen, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen. Auch die gegen Boko Haram kämpfenden Bürgerwehren rekrutierten hunderte Kinder.
  • In Myanmar (Burma) gibt es weiter Tausende oder möglicherweise Zehntausende von Kindersoldaten, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die Fälle von Rekrutierungen in die staatliche Armee sind nach der Unterzeichnung eines UN-Aktionsplanes in 2012 zurückgegangen. Bewaffnete Oppositionsgruppen wie die Kachin Independent Army KIA setzen in großem Maße Minderjährige als Soldaten ein.
  • In Indien rekrutieren zahlreiche bewaffnete Oppositionsgruppen Kinder, z.B. die Naxaliten und viele Gruppen in Nordostindien, und auch bei der staatlichen Armee werden immer wieder Fälle von Rekrutierungen und illegalen Inhaftierungen von Minderjährigen dokumentiert. terre des hommes hat dazu eine Studie erstellt.
  • Auch in der DR Kongo, Sudan, Südsudan, Mali, Zentralafrikanische Republik, Somalia, Libyen, Jemen, Syrien, Irak, Israel / Palästina, Libanon, Afghanistan, Pakistan, Thailand und den Philippinen werden Minderjährige als Soldaten rekrutiert und ausgebeutet.

Forderungen und Ziele

terre des hommes setzt sich in verschiedenen internationalen Netzwerken und Kampagnen gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten ein und engagiert sich für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Konfliktregionen.

Zentrale Forderungen

Kindersoldaten

Kein Kind unter 18 Jahren darf in Armeen, bewaffneten Gruppen oder anderen militärischen Verbänden eingesetzt werden – egal in welcher Funktion, ob als Kämpfer, Spion, Minenerkunder, Koch, Träger oder Sexsklave.

Flüchtlingskinder

Die Kinderrechtskonvention muss in Deutschland nach der Rücknahme des Vorbehalts im Juli 2010 endlich auch in der Praxis für Flüchtlingskinder gelten. Dafür müssen Gesetze und Regelungen so gestaltet werden, dass sich die Lebensbedingungen von Flüchtlingskindern tatsächlich verbessern.

Binnenvertriebene

Die internationale Staatengemeinschaft muss Verantwortung für Binnen-vertriebene übernehmen und ihnen Schutz gewähren. Dazu sollen alle Staaten die UN-Leitlinien zu Binnenvertreibung unterzeichnen und umsetzen.

Waffenhandel
Die Waffenexporte in Krisengebiete müssen gestoppt werden, insbesondere wenn dort Kindersoldaten eingesetzt werden. Dies gilt besonders auch für Deutschland, das weltweit der drittgrößte Rüstungsexporteur ist.

Militärwerbung

Militärwerbung bei Minderjährigen muss gestoppt werden. Dazu gehören die vielfältigen Werbemaßnahmen der Bundeswehr, beispielsweise an Schulen.

Bestrafung der Verantwortlichen

Die Verantwortlichen für die Rekrutierung von Kindersoldaten und für die Vertreibungen von Menschen aus ihrer Heimat - gleich ob Regierungen oder Einzelpersonen - müssen öffentlich benannt und sanktioniert werden. Gegen die Verantwortlichen muss vor dem Internationalen Strafgerichtshof oder vor nationalen Gerichten Anklage erhoben werden.

Weitere Forderungen finden Sie unter den Themenschwerpunkten Kindersoldaten, Flüchtlingskinder und Binnenvertriebene.


Projektbeispiele

terre des hommes unterstützt Kinder dabei, ein Leben ohne Krieg und Gewalt zu führen. Sehen Sie Beispiele für unsere Projektarbeit.

Kolumbien: Friedliche Auswege
In Kolumbien ist der Alltag oft von Gewalt geprägt. Die Stadt Popayán leidet an einer besonders hohen Gewalt- und Kriminalitätsrate unter Jugendlichen. Ein terre des hommes-Projekt versucht, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Burma: Kampf gegen Zwangsrekrutierung
Tausende bis Zehntausende Kindersoldaten gibt es in Burma. terre des hommes unterstützt eine Organisation, die sich vor Ort gegen die Zwangsrekrutierung von Kindern einsetzt.

Deutschland: Geschützte Räume
In der Heimat haben sie Gewalt erlebt. Traumatisierte Kinder und Jugendliche brauchen geschützte Räume, in denen sie angstfrei beginnen können, ihre schrecklichen Erfahrungen zu bewältigen.


Was Sie tun können

terre des hommes setzt sich auf verschiedenen Ebenen für den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten ein.

Lobbyarbeit

Ein Schwerpunkt bildet die Beeinflussung von Politik und gesetzlichen Rahmenbedingungen durch Lobbyarbeit und die Mitarbeit in Netzwerken und Bündnissen.

Um auf die Situation von Kindersoldaten aufmerksam zu machen, engagiert sich terre des hommes unter anderem beim Red Hand Day mit zahlreichen Aktionen. Was ist der Red Hand Day und wie können sie daran teilnehmen?

terre des hommes setzt sich in Deutschland gegen die Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen und für mehr Friedensbildung an den Schulen ein. Wie Sie selber zu diesen Themen aktiv werden können, erfahren Sie hier.

Projektarbeit

Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Unterstützung zahlreicher Projekte für Kindersoldaten und Flüchtlingskinder in Kriegs- und Krisengebieten, aber auch in Deutschland.

Ob medizinische Hilfe für verletzte und traumatisierte Kindersoldaten, Bildungsangebote oder Rechtsberatung für Vertriebene und Flüchtlinge - die terre des hommes-Projektpartner unterstützen die Kinder und Jugendlichen darin, mit den Traumata der Vergangenheit zurechtzukommen und sich eine Zukunft aufzubauen.

Helfen Sie mit, den Kindern eine neue Perspektive zu geben und unterstützen Sie unsere Projekte mit einer Spende. Jede einzelne Spende hilft! Projekte für ehemalige Kindersoldaten, Flüchtlingskinder und Binnenvertriebene finden Sie auf den entsprechenden Themenseiten.


Weitere Informationen

Weitere Informationen zu den Themen Kindersoldaten, Binnenvertriebene und Kleinwaffen. mehr

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